Kardienstag
- Real Hermandad de María Santísima de los Desamparados y Santísimo Cristo de la Expiración
Am Dienstag der Karwoche zieht die Hermandad de María Santísima de la Caridad y Cristo de la Expiración durch die Straßen. Die Real Cofradía y Hermandad de María Santísima de los Desamparados y Santísimo Cristo de la Expiración, bekannt als Hermandad de la Caridad, wurde am 30. April 1632 in der ehemaligen Ermita de San José gegründet, auch wenn die ersten Spuren sie zeitlich in die Nähe des Hospital de la Caridad rücken, das bereits im 16. Jahrhundert bestand. Den Titel Hermandad de la Caridad (Bruderschaft der Nächstenliebe) verdankt sie ihren Gründungszielen: der Hilfe für Kranke, Schutzlose, Arme und Gefangene. Noch heute verwendet sie 50 % ihrer Einnahmen für wohltätige Zwecke; mit dem Rest werden die Ausgaben der Bruderschaft bestritten. Laut den Sitzungsprotokollen unterstützte sie die Stadtverwaltung mit ihren finanziellen Mitteln beim Anlegen von Massengräbern für die Opfer einer Epidemie, die die Stadt heimsuchte. 1789 erlaubte Karl III. dieser Bruderschaft per königlichem Dekret, öffentlich Almosen zu sammeln, was damals verboten war und bestraft wurde. 1808, während des Aufstands gegen die Franzosen, steuerte sie 1.000 reales de vellón (Billon-Reales) zum Kampf gegen die Besatzer bei.
1815 ernannte sie Ihre Majestäten, das spanische Königspaar D. Fernando VII. und Dª. Mª. Josefa Amalia, zu ständigen Hermanos Mayores (Ehrenvorsitzenden), gemäß einem Dekret aus demselben Jahr. Damit erhielt sie den Titel Real (königlich) und war bis dahin die erste Bruderschaft des Ortes, die ihn tragen durfte. 1872 errichtete sie mit Spenden ihrer Mitglieder auf dem Friedhof ein Pantheon mit Kapelle, um all jene zu bestatten, die keine finanziellen Mittel besaßen. Ab 1950 erlebte die Bruderschaft einen neuen Aufschwung; ihre heutigen Statuten stammen aus dem Jahr 1976.
Berühmt ist ihr Cristo de los Ajusticiados (Christus der Hingerichteten), der den Zug der Prozession anführt. Dieser Christus wurde in der Kapelle aufgestellt, in der die zum Tode Verurteilten ihre letzten Augenblicke verbrachten, begleitet von mehreren Brüdern der Caridad, die ihnen bis zur Stunde der Hinrichtung beistanden. Danach wurden sie mit dem Manto de los Ajusticiados (Mantel der Hingerichteten) bedeckt, der per königlichem Dekret ein besonderes Vorrecht besaß: War der Verurteilte nach der Hinrichtung und dem Bedecken mit dem Mantel noch am Leben, wurde ihm die Strafe erlassen, sodass er nicht erneut hingerichtet werden durfte.
Was die Titelfiguren betrifft, so ist die Virgen de los Desamparados eine Ankleidefigur (imagen de candelero), die offenbar nicht aus Granada stammt und 1728 hierher gebracht wurde. Ihr Stil ist archaisch und von guter Machart. In den Armen hält sie ein Kind, das ihr seit einigen Jahren zur Karwoche abgenommen wird, sodass sie zur Schmerzensmutter (dolorosa) wird; zu den Maifesten trägt sie es wieder.
Ihre Entstehung fällt in das erste Drittel des 18. Jahrhunderts. Der Cristo de la Expiración lässt sich auf den Beginn des 18. Jahrhunderts datieren und folgt dem Vorbild eines älteren Christus. Aufgrund des kunstvollen Knotens und der gedrungenen Proportionen sowie des höher sitzenden Lendentuchs als beim Granadiner Typus kann er einem Künstler aus Córdoba jener Zeit zugeschrieben und auf 1720 datiert werden. Er wurde von Antonio Carrillo restauriert. Später, 1992, wurde der linke Arm restauriert und von der Escuela Taller „Fuente del Rey“ eine umfassende Reinigung vorgenommen.
Seit 1974 werden die Figuren am Dienstag der Karwoche in Prozession aus der Kirche de la Asunción, ihrem üblichen Sitz, getragen. Der Weg führt durch: Corazón de Jesús, Ribera, Carrera de las Monjas, Palenque, Obispo Pérez Muñoz, Cervantes, Málaga, Ancha, Río, Ribera, Corazón de Jesús und zurück zur Kirche de la Asunción. Während des Umzugs gibt es etwa 12 Halte; beim Halt auf der Plaza de Andalucía ziehen beide Prozessionsthrone Seite an Seite und bilden eine einzige, geschlossene Gruppe von großer Schönheit.
Die Figuren werden von rund hundert Büßern in elfenbeinfarbenem Gewand und roter spitzer Büßerhaube (capirote) begleitet und seit 1980 von ihren Trägern (costaleros) getragen: 40 für den Cristo und 70 für die Virgen. Zur Steuerung der Prozessionsthrone, die von vier Leitern der Träger (capataces) geführt werden, verwendet man eine Glocke. Ihre Trommelkapelle besteht aus 24 Trommeln und sechs großen Trommeln (bombos); das Besondere ist, dass sie überwiegend aus Frauen besteht. Sie hat drei Prozessionsmärsche, zwei für den Aus- und Einzug der Throne und einen Straßenmarsch. Antonio López Serrano komponierte einen eigenen Marsch für die Bruderschaft; die anderen stammen von José Antonio Alcalá Sánchez und José Luis Martínez sowie aus einem alten Dokument, aus dem man den eigentlichen Marsch der Bruderschaft gewann, „el paso de los ajusticiados“ (der Schritt der Hingerichteten). Am Dienstag der Passionswoche hält die Bruderschaft einen Kreuzweg (Vía Crucis), der von der Kirche de la Asunción aus durch das Barrio de la Villa führt und bei dem der Cristo de los Ajusticiados mitgetragen wird.























